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Nachrichten aus Wirtschaft und Gewerbe
"Dienst am Kunden statt riskanter Spekulationen" Wer in diesen Zeiten über Wirtschaft redet oder das Wirtschaftsleben mit gestaltet, kommt an dem Wort „Krise“ kaum vorbei. Und so stand auch der siebte Wallenhorster Treffpunkt Wirtschaft, zu dem die Gemeinde Wallenhorst und die Volksbank Bramgau-Wittlage ins Rathaus geladen hatten, im Zeichen der Krise, vor allem aber auch im Zeichen möglicher Auswege. Als Referent sprach Prof. Dr. Rudolf Hickel, Gründungsdirektor des Bremer Instituts Arbeit und Wirtschaft, vor über 100 geladenen Gästen aus Handel, Gewerbe und Politik.
Vor der Veranstaltung trug sich Prof. Dr. Rudolf Hickel in das Goldene Buch der Gemeinde ein. Dabei sahen ihm (von links) die Fraktionsvorsitzenden Ludger Meyer (WWG), Guido Pott (SPD) und Dr. Arnulf Nüßlein (Grüne), Bürgermeister Ulrich Belde, Erste Gemeinderätin Karin Rodeheger sowie die Volksbank-Vorstände Günter Rahe und Heiko Ziegemeier über die Schulter. Sie hörten zunächst ein ausdrückliches Lob der Wallenhorster Wirtschaft. Dank der Branchenvielfalt und der vielen familiengeführten und/oder mittelständischen Unternehmen sei Wallenhorst wie ein „gallisches Dorf“, das der Krise vergleichsweise gut trotze. Auch Deutschland insgesamt sei im internationalen Vergleich einigermaßen glimpflich davon gekommen. Zu verdanken sei dies nicht zuletzt einem Bankenwesen, das zu einem wesentlichen Teil auf Genossenschaftsbanken und Sparkassen basiere. Private deutsche Großbanken oder ausländische Banken machten lediglich einen Marktanteil von unter 30 Prozent aus. Genossenschaftsbanken und Sparkassen seien vor allem Dienstleister am Kunden und hätten sich daher aus hoch riskanten Spekulationsgeschäften herausgehalten. „Diese dienende Funktion der Banken entspricht dem, was Präsident Obama für das US-amerikanische Bankenwesen anstrebt, er sollte sich das deutsche Modell einmal genauer ansehen“, schlug Hickel in Richtung USA vor. Auch die Bundespolitik habe in der Krise mit einer Verlängerung der Kurzarbeiterregelung und mit den Konjunkturpaketen wirksame Akzente gesetzt. „Und Sie hier in Wallenhorst haben es richtig gemacht, indem Sie dieses Geld in viele kleiner Maßnehmen zur energetischer Sanierung investiert und damit dem heimischen Handwerk Arbeit verschafft haben“, lobte der Referent. Weniger Anerkennung hatte Hickel für die Pläne der jetzigen Bundesregierung übrig. Deren Wachstumsbeschleunigungsgesetz kritisierte er als Behinderungsgesetz. „Massive Steuersenkungen sind in der jetzigen Situation unverantwortlich“, sagte der Bremer Wirtschaftsfachmann und prophezeite, dass die erwartete Selbstfinanzierung über Mehrwachstum nicht funktionieren werde. Im Ergebnis werde diese Politik vor allem die Kommunen und damit das unmittelbare Lebensumfeld der Menschen belasten. Um den ersehnten Aufschwung zu erreichen, müsse auf internationaler Ebene schnell gehandelt werden. Schon heute gebe es Anzeichen für „eine neue Blase“, indem man wieder zum „business as usual“ zurückkehre. Auch neue hoch spekulative Produkte kämen bereits wieder auf den Finanzmarkt. Richtigerweise jedoch müssten Spekulationsgeschäfte für Banken uninteressant werden, damit diese sich statt dessen mehr der Kreditvergabe widmeten. Abschließend brach der Referent eine Lanze für den Mittelstand als Rückgrat der deutschen Wirtschaft. „Vor jeder wirtschaftspolitischen Maßnahme sollten sich die Verantwortlichen zwei Fragen stellen“, forderte er; „erstens: Nutzt diese Maßnahme dem Mittelstand? Und zweitens: Entspricht sie der Generationengerechtigkeit, das heißt, würden wir sie auch befürworten, wenn wir einer künftigen Generation angehören würden?“ Beides zu bedenken, sei sozusagen der ökonomische Imperativ. Zu Beginn hatten für die Veranstalter Bürgermeister Ulrich Belde und Volksbank-Vorstand Günter Rahe die Gäste begrüßt. Belde wünschte allen Anwesenden als Ergebnis des Treffpunkts Wirtschaft, dass „wir alle heute Impulse erhalten, unseren Beitrag zum Wirtschaftsleben so zu gestalten, dass das Wort Krise seinen Schrecken verliert und mehr und mehr dem Wort Aufschwung weicht.“ Günter Rahe beschwor als Konsequenz aus der Krise ein neues „Miteinander von Wirtschaft und Politik“, damit wieder Vertrauen entstehe. Als Schwachpunkte des Wirtschaftssystems, die die Krise verursacht hätten, nannte der Volksbank-Vorstand „fehlende Transparenz vor allem auf internationaler Ebene, mangelhafte Kontrolle der Banken durch die staatliche Finanzaufsicht und die Aufsichtsräte, übersteigerte Renditeansprüche und fehlende Kundenausrichtung“ – eine Analyse, mit der sich Rahe nicht nur völlig im Einklang mit Prof. Hickel befand, sondern die zugleich hoffen lässt, dass die hiesige Region mit ihren spezifischen Stärken alle Chancen hat, aus der Krise gestärkt hervor zu gehen. Zurück |
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letzte Aktualisierung: 31.07.2010 17:44
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